Platt.

Was soll ich denn in Leipzig? Warum sind Bratwürste denn so signifikant? Und warum warum sollte ich denn nicht hingehen?

Wenn du dir solche Fragen gerade beim Betreten von endpilot.de gestellt hast, dann kommst du ziemlich sicher nicht aus Jena, Weimar oder Stotternheim. Ganz bestimmt bist du aber nicht aus Erfurt, denn genau hier verortet sich die Spruch-Reihe die momentan unserer Webpräsenz vorgeschalten ist. Ursprünglich war sie als A4-Wegwerfflyerserie für unsere schöne Landes- und Heimathauptstadt gedacht, wurde bis jetzt aber noch nicht umgesetzt und soll auf unserer Übergangwebseite aber schonmal einen Platz bekommen.

Man kann das Ganze lustig finden, oder einfach die Stirn drüber runzeln. Beides erfüllt seinen Zweck. Wir verbinden damit die erste Aufmerksamkeitswelle für das Festival mit einem unserer Steckenpferde, dem Selber-Anpacken. Das fehlt nämlich in Erfurt massiv, Fahnenflucht wird eher groß geschrieben. Alles was jung oder kreativ oder interessiert ist verlässt die Stadt – und zurück bleibt ein Hauch von Thüringer Bratwurst (ah!) und Altersheim. Es gibt natürlich Ausnahmen, aber die standen bis vor kurzem als einzelne Standartenhalter im Kultur-leeren Raum.

Seit letztem Herbst ist aber mit einer Debatte um ein Kulturkonzept in Erfurt und ein allgemeines Alkoholverbot außerhalb von Cafes und Kneipen in der Innenstadt eine neue Aufmerksamkeit für das Problem entstanden. Und wer wären wir, dass wir da nicht einhaken? Lösungen haben wir zwar keine besonders herausragenden, aber dafür eine effektive: selber machen, wenn auch nur im kleinen Rahmen. Sich schaffen was man braucht. Denn eigentlich hat diese Stadt massig Potential.

Wir haben schon mehrmals in diesem Blog auf solche Dinge hingewiesen. Auf der eigentlichen Website oder auf dem Festival aber nicht. Und wir wollen auch jetzt klarstellen: Bei uns geht es um die Musik. Und Politik gehört nicht auf unser Festival.

Kultur und ihr Wert aber schon, und das kreuzt sich bekanntlich ab und zu. Wir machen so etwas also nicht um jemanden zu bekehren oder um Festivalbesucher von außerhalb auf unsere Ach-So-Schlimme-Lage hinzuweisen, sondern weil wir daran erinnern möchten, dass solche Aspekte immer dazu gehören – ob man nun den Firefox aufmacht, Bach in den Kasettenrekorder schmeißt oder in den nächsten abgespackten Klub geht.

Kultur, das ist alles was mit Kommunikation zu tun hat. Und für Kommunikation braucht man entweder eine Meinung – oder eine Frage. Wer keins davon hat, der besäuft sich nur im Takt.

Leider nicht in die Online-Variante aufgenommen wurde übrigens dieser schöne Slogan:

I ♥ Blaue Gasse.

Wer Erfurt nicht kennt: das ist der nette, 10 Meter lange Durchgang von Bahnhofsstraße/Anger zur Marbacher Gasse, wo sich der Centrum-Club verbirgt. Da, wo es immer so bestialisch nach Pisse stinkt und Mittwochs kollektiv hingekotzt wird. Nach einer Veranstaltung, die sich freundlicherweise eine Weile “Arbeitslosenbeat” genannt hat.

MP


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