Break.
Der Campen-hassende Kemper erklärt, warum dieses Jahr vielleicht sein letztes Immergut-Jahr ist:
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/476785
Wir überlassen das direkt aufs Festival bezogene Kommentieren anderen und schauen lieber etwas allgemeiner: Eine homogene, sich selbst institutionell in irgendeiner Form vertretende Indie-Szene gibt es tatsächlich nicht mehr, das sehen wir auch bei uns und anderen Festivals. Bei einem Massenangebot, das keine nationalen oder regionalen Beschränkungen mehr kennt und der Tatsache, dass geschlossene musikalische Szenen nicht mehr in dem Maße Identifikationsgrundlage für junge Menschen sind – wie etwa noch in den 90ern – scheint es oft fast unmöglich ein Angebot auf einer Veranstaltung zu schaffen, dass den Großteil aller Menschen anspricht, die man erreichen möchte. Das ist natürlich irgendwo auch mit einem gestiegenem Anspruch der Besucher gleichzusetzen, sieht man von dem Feierfallobst mal ab. Gleichzeitig funktioniert das Festival als “Entdeckungsort”, als Label das unbekannte Musik vorauswählt und dann dem geneigten Stöberfreak präsentiert auch nicht mehr, da Musikinteressierte (und das schließt die Macher natürlich mit ein) sich selbst ein hohes Maß an Selbstständigkeit bei der Suche nach Musik zuschreiben – und da ist die Ursache tatsächlich einmal naheliegend: Internet und auf Masse angelegte digitale Sammelwut an Musik geben das Gefühl, an alles herankommen zu können und alles im Ansatz zu kennen. Als Veranstalter bleibt einem oft nur der Zwang, möglichst außergewöhnliches, exklusives oder dann doch irgendwie mengenkompatibles Material zu buchen. Dass ist nicht unbedingt ein Widerspruch zu “Experiment”, “Indie/DIY” oder “Qualität” – ganz sicher aber zu “Szene”. Einzig die Metal und Hardcore-Szene scheint durch ihre teilweise recht intoleranten kulturellen und auch musikalischen Festlegungen dagegen noch halbwegs immun zu sein.
Wichtig scheint aber auch: Wer Musik produziert oder organisiert und nicht immer dasselbe machen will, der muss sich natürlich schon aus Prinzip entweder aus seiner Szene herausbewegen, in welche Richtung auch immer, oder er muss seine eigene Szene aktiv mit umgestalten. Kempers Resignation ist daher nicht unbedingt nur ein Ergebnis des wechselnden Publikums, sondern vermutlich (!) auch dass einer nicht integeren Festivalpolitik.
MP
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- Published:
- 05.31.09 / 2pm
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